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Emotet: Der Malware-Loader hinter Ransomware

Emotet ist der Malware-Loader hinter den meisten Ransomware-Angriffen. Nachfolger PikaBot und DarkGate verbreiten sich 2025 über Microsoft Teams und Phishing.

Veröffentlicht: 15. Juni 2026Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2026

Was ist diese Bedrohung?

Ein Malware-Loader ist ein kleines Programm, dessen einzige Aufgabe es ist, Ihr Gerät still zu infizieren und dann eine zweite, gefährlichere Nutzlast herunterzuladen — typischerweise Ransomware, einen Banking-Trojaner oder ein Remote-Access-Tool.

Emotet (aktiv 2014–2023) war der gefährlichste Malware-Loader der Welt — von Europol als „gefährlichste Malware der Welt" bezeichnet. Er infizierte Millionen von Geräten durch in Microsoft-Office-Dokumente versteckte Malware in überzeugenden Phishing-E-Mails und vermietete Zugriff auf infizierte Rechner an andere kriminelle Gruppen.

Obwohl Emotet selbst seit Ende 2023 weitgehend inaktiv ist, leben das Infektionsmodell und seine Nachfolger in 2025–2026 fort.

So funktionierte Emotet (und seine Nachfolger heute)

Klassische Emotet-Kette (2018–2022):

  • Eine überzeugende Phishing-E-Mail trifft ein — oft als Antwort auf einen gestohlenen echten E-Mail-Thread ("Thread-Hijacking").
  • Das angehängte Word-Dokument fordert auf, „Makros zu aktivieren".
  • Das Aktivieren von Makros führt den Emotet-Loader still aus.
  • Emotet lädt sekundäre Payloads herunter und versendet sich an alle Kontakte.
  • Sekundärer Payload erntet Banking-Zugangsdaten oder setzt Ransomware ein.
  • 2022 — Microsoft deaktiviert Makros:

    Im Juli 2022 deaktivierte Microsoft VBA-Makros in aus dem Internet heruntergeladenen Office-Dokumenten standardmäßig — was Emotets primären Lieferweg fast über Nacht zerstörte.

    2023–2026 — Neue Loader, neue Vektoren:

  • PikaBot (2023–2026): Direkter Nachfolger von Emotet. Verbreitet sich über ZIP-Archive, PDF-Dateien und OneNote-Anhänge (.one). Wird zur Lieferung von Cobalt Strike und Ransomware verwendet.
  • Latrodectus (2024–2026): Von denselben Bedrohungsakteuren wie Emotet (TA577/TA578) entwickelt. Über bösartige JavaScript-Dateien in E-Mail-Anhängen verbreitet.
  • DarkGate (2023–2026): Nutzt Microsoft Teams, Skype und Slack als Lieferkanäle — Angreifer schreiben Ziele direkt über kompromittierte Unternehmenskonten oder externe Gästeeinladungen an und umgehen so E-Mail-Sicherheitsfilter vollständig.
  • QakBot (2024 wieder aufgetaucht): Vom FBI im August 2023 abgeschaltet ("Operation Duck Hunt"), aber innerhalb von Monaten neugestartet.
  • 2026: KI-gestützte Zustellung:

    Malware-Loader nutzen zunehmend KI-generierte Phishing-Inhalte — fehlerfreie E-Mails in der Sprache des Ziels, personalisiert mit LinkedIn-Daten, versendet zu psychologisch optimalen Zeiten.

    Reale Auswirkungen

  • Emotet-Abschaltung (Januar 2021 — Operation Ladybird): Europol und Eurojust koordinierten Strafverfolgungsbehörden in 8 Ländern — Emotet kehrte 10 Monate später zurück.
  • DarkGate über Microsoft Teams (2023–2024): Microsoft meldete, dass Angreifer in einer einzigen Kampagne über 40 globale Organisationen mit bösartigen OneNote-Dateien über Teams angriffen.
  • PikaBot 2024: Cisco Talos identifizierte PikaBot als führenden Loader nach dem Wegfall von Qakbot, eingesetzt zur Lieferung von Black-Basta-Ransomware.
  • QakBot-Wiederauftauchen (Dezember 2023): Nur 3 Monate nach Operation Duck Hunt starteten die Betreiber eine neue Phishing-Kampagne gegen die Hotelbranche.
  • Warnsignale

  • Eine E-Mail, die Sie auffordert, in einem Office-Dokument „Makros zu aktivieren".
  • Eine Teams-Nachricht von einem externen Konto mit einem Anhang oder Download-Link.
  • Unerwartete OneNote (.one)- oder HTML-Anhänge, selbst von bekannten Absendern.
  • Antivirus still deaktiviert oder Sicherheitstools ohne Erklärung gestoppt.
  • Ungewöhnliche ausgehende Netzwerkverbindungen zu unbekannten IPs.
  • Wie Sie sich schützen können

    • Niemals Makros in per E-Mail empfangenen Office-Dokumenten aktivieren — Microsoft hat sie aus gutem Grund standardmäßig deaktiviert; das Reaktivieren ist fast immer eine Social-Engineering-Falle
    • Externe Microsoft-Teams-Nachrichten von unbekannten Domains in den Mandanteneinstellungen blockieren oder Admin-Genehmigung erfordern — DarkGate nutzt die standardmäßig offene Konfiguration aus
    • E-Mail-Sicherheits-Gateway mit Sandboxing für Anhänge (OneNote, ZIP, PDF) vor der Zustellung einsetzen
    • Windows, Office und Browser-Erweiterungen vollständig gepatcht halten — viele Loader nutzen bekannte Sicherheitslücken in veralteter Software
    • Endpoint Detection and Response (EDR) verwenden, das Prozessverhalten überwacht, nicht nur Datei-Signaturen

    Was zu tun ist, wenn betroffen

    1. 1.Bei aktivierten Makros oder verdächtigen Dateien sofort vom Netzwerk trennen und IT-Team informieren
    2. 2.Vollständigen Offline-Antivirusscan mit einer bootfähigen Rettungsdiskette durchführen (ESET, Kaspersky, Bitdefender bieten kostenlose Rescue-ISOs an)
    3. 3.Alle Passwörter von einem sauberen, nicht infizierten Gerät ändern — Emotet und seine Nachfolger ernten gespeicherte Zugangsdaten
    4. 4.Phishing-E-Mail bei nationaler Cybersicherheitsbehörde melden (Österreich: cert.at, Deutschland: BSI)
    5. 5.In Unternehmensnetzwerken laterale Ausbreitung annehmen — alle Geräte prüfen, die in den 48 Stunden vor Erkennung mit dem infizierten Gerät kommunizierten
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